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Moderne, Rationalität und Widerstand: Europäische Gesellschaftstheorie und ihre Kritik in der Forderung nach Islamisierung und Indigenisierung (Teilprojekt)

Teilprojekt von Dr. Wiebke Keim

Das Projekt erforscht die historische Entfaltung der Debatte um die eigene Haltung zur Moderne in den Diskussionen einiger muslimisch geprägter sowie einiger afrikanischer Länder. Hierbei stehen die Rezeption und Kritik vorliegender europäischer Ansätze (fokussiert, jedoch nicht notwendigerweise beschränkt auf die Soziologie) im Vordergrund, sowie die Hervorbringung eigenständiger, origineller Analysen und Theoretisierungen über das eigene Verhältnis zu Europa.

In der muslimisch geprägten Welt erkannten im späten 19. und beginnenden 20.Jh viele muslimische Reformer die Überlegenheit westlicher Wissenschaften an und versuchten oftmals unkritisch, diese auf ihre lokalen Kontexte anzuwenden. Eine wissenschaftliche Avantgarde sollte die Bedingungen für den Übergang zur Moderne nach europäischem Vorbild schaffen. Etwa gleichzeitig etablierte sich jedoch bereits eine konträre Sichtweise mit der Forderung nach „Islamisierung des Wissens“. Exemplarisch sollen zunächst die Werke dreier Intellektueller, die die Entwicklung von Gesellschaft und Gesellschaftswissenschaften im Iran geprägt haben, analysiert werden: Al-Afghani, Jalal Al-e Ahmad und Ali Shariati. Weiterhin wird sich ein Blick auf die Wissenschaftsgeschichte Südostasiens lohnen, wo mit dem Engagement von Syed Naquib al-Attas und der Association of Muslim Social Scientists konsequente Versuche unternommen wurden, die Sozialwissenschaften selbst zu islamisieren. Gleichzeitig kritisieren an südostasiatischen Universitäten S.H. und S.F. Alatas die intellektuelle Abhängigkeit in einer den globalen Süden insgesamt umfassenden Perspektive, die sich auf den Islam keineswegs bezieht.

Für die afrikanischen Debatten werden in historischer Abfolge exemplarisch die Négritude-Bewegung der 1930er Jahre, sodann die zentralen theoretischen Schriften der Befreiungsbewegungen in verschiedenen Ländern mit ihrem Blick auf Europa, ihrem Potential zur Überwindung der Kolonialmacht sowie zum Aufbau und zur Entwicklung unabhängiger Nationen und schließlich die Indigenisierungsdebatte und die African Renaissance-Initiative betrachtet. Als Gegenposition hierzu sollen Hountondjis Kritiken betrachtet werden.

Im Rahmen von Inhaltsanalysen, ergänzt durch qualitative Interviews mit SozialwissenschaftlerInnen vor Ort, werden die Rezeption von und Kritik an europäischen Theorien und Konzepten ebenso untersucht wie die Frage, welche relevanten Alternativen sich aus den betrachteten Debatten abzeichnen. An die Analyse der beiden regionalen Beispiele wird eine breitere Diskussion von (alternativen) Theorien der Moderne anschließen.

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